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Historische Komparatistik
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Historische Komparatistik
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Raithel, Thomas
"Amerika" als Herausforderung in Deutschland und Frankreich in den 1920er Jahren.
Mit den Schlagworten „Amerika“ und „Amerikanisierung“ verband sich nach dem Ersten Weltkrieg in Europa eine massive wirtschaftliche, gesellschaftliche und kulturelle Herausforderung. Der Beitrag bewertet im deutsch-französischen Vergleich das jeweilige Ausmaß dieses Vorgangs. Nach einem ersten Abschnitt zu den historischen Voraussetzungen der jeweiligen nationalen Amerika-Diskurse werden im zweiten Kapitel verschiedene Erscheinungsformen der „amerikanischen“ Herausforderung vorgestellt und systematisiert (wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklungen in den USA; massenkulturelle „Importe“ aus den USA; generelle technische und soziokulturelle Modernisierungen, die vielfach mit dem Begriff des „Amerikanismus“ identifiziert wurden). Dabei wird auch auf die charakteristischen Reaktionen eingegangen, wie sie in den deutschen und französischen Amerika-Debatten zum Ausdruck kamen. Im dritten Kapitel folgen dann eine komparatistische Synthese und ein kurzer Ausblick bis in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg.
Bauvois Cauchepin, Jeannie
Apprendre à être citoyen dans les républiques allemandes et française du premier XXe siècle.
Die griechische Idee von Staatsbürgerschaft, Aristoteles’ Vorstellung vom Menschen als politischem Wesen, als in der Gesellschaft lebender Mensch, ist universell und allzeit gültig. Die moderne Bedeutung des Bürgers als freie Person, mit einem sowohl politischen als auch territorialen Bewusstsein, ist restriktiv und dialektisch: restriktiv durch ihre Einordnung in den beschränkten Rahmen des modernen Staates, dialektisch insofern als sie gemeinschaftliche und Einzelinteressen einander entgegenstellt. Wie soll unter diesen Bedingungen ein moderner Bürger unterrichtet werden? Haben die Lehrpläne und die Staatsbürgerkunde in Europa seit dem 19. Jahrhundert diesen Widerspruch überwunden? Haben sie diese Einschränkung behoben? Sie entstanden in Massengesellschaften, in vom Staat errichteten Schulsystemen. In der modernen Geschichte ist die Schulkultur vor allem eine politische Kultur.[...]
Raithel, Thomas
Der preußische Verfassungskonflikt 1862-1866 und die französische Krise von 1877 als Schlüsselperioden der Parlamentarismusgeschichte.
Der Beitrag vergleicht die beiden zwischen Staatsoberhaupt und Parlament durchgefochtenen Konflikte. Der preußische Verfassungskonflikt war im Wesentlichen ein Streit um die Reichweite der legislativen Funktion der Abgeordnetenkammer, die im Rahmen einer konstitutionellen Monarchie in Kooperation mit dem König auszuüben war. n der Dritten Französischen Republik, die zunächst ein parlamentarisch-präsidentielles Mischsystem war, ging es 1877 um die Sicherung der bereits vorhandenen regierungstragenden Funktion der Abgeordnetenkammer.
Schenk, Frithjof Benjamin
Der spatial turn und die Osteuropäische Geschichte.
Der in den letzten Jahren viel diskutierte "spatial turn" ist keine so umfassende Wende, wie oft gedacht - zum einen hat man sich außerhalb der deutschen und angelsächsischen Forschung auch zuvor intensiv mit der Kategorie "Raum" befasst - so in der von der Annales-Schule geprägten französischen Forschung. Zum anderen geht es nicht um einen umfassenden Paradigmenwechsel, sondern darum, einen bisher vernachlässigten Aspekt bei der Untersuchung kultureller und sozialer Prozesse stärker zu berücksichtigen. Der Autor hebt hervor, dass "Raum" keine historische Kategorie an sich ist, sondern dass der gesellschaftlich und historisch relevante Raum das Produkt menschlicher Handlung und Wahrnehmung ist. Durch die Hinterfragung gängiger Raumkonzepte - wie des "Osteuropa"-Begriffs durch die Osteuropa-Forschung in den letzten Jahren - kann das heuristische Konzept der Geschichtsregion als Strukturraum nutzbar gemacht werden.
Boyer, Christoph
Die Europäizität der ostmitteleuropäischen Zeitgeschichte.
Für die europäische Nachkriegsgeschichte konstatiert Boyer zwei grundlegende Makromodelle: den demokratisch-marktwirtschaftlichen Wohlfahrtsstaat in Westeuropa einerseits und die staatssozialistischen Modelle in Mittel- und Ostmitteleuropa andererseits. Die beiden Modelle unterschieden sich dabei weniger grundsätzlich, wie oft angenommen wurde: Beide antworteten auf die Krise des Kapitalismus und Liberalismus seit dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts und beide Modelle wollten Gesellschaften, wenn auch in unterschiedlichem Ausmaß, planen, regulieren, transformieren, modernisieren und dadurch Wohlstand schaffen. Die Frage nach der „Europäizität Ostmitteleuropas“ ist für den Autor ein komparativer Forschungsansatz, mit dem die unterschiedlichen Entwicklungen, die die jeweiligen Länder unter diesen Makromodellen vollzogen haben, untersucht und mit anderen europäischen Regionen verglichen werden sollten.
Kirsch, Martin
Die Funktionalisierung des Monarchen im 19. Jahrhundert im europäischen Vergleich.
Innerhalb der Machtstrukturen des Staates im 19. Jahrhundert nimmt die Beziehung zwischen Monarch, Regierung und Parlament eine zentrale Stellung ein. Der Vergleich dieses zumeist dualistisch strukturierten Verhältnisses in den Ländern Europas zeigt über¬wiegend europäische Gemeinsamkeiten und nicht nationale Unterschiede, so dass für diesen Bereich der Verfassung weder von einem „deutschen Sonderweg“ noch von einer „exception française“ gesprochen werden kann. Der europäische Verfassungstyp des „monarchischen Konstitutionalismus“ setzte sich innerhalb der allermeisten Verfassungsstaaten durch. Erklären lässt sich dies unter anderem mit der „Funktionalisierung“ des Monarchen während der dynamischen Verfassungsentwicklung im langen 19. Jahrhundert zwischen 1789 und 1918/22.
Kraft, Claudia
Die Geschlechtergeschichte Osteuropas als doppelte Herausforderung für die "allgemeine" Geschichte.
Infolge des Zusammenbruchs des „Ostblocks“ sahen sich die mit osteuropäischer Geschichte beschäftigten Forscher genötigt, ihre Forschungsthemen und Konzepte zu überdenken und haben in diesem Zusammenhang wiederholt den Konstruktionscharakter von Raumkategorien problematisiert. Räume existieren – so die Autorin – wie die Kategorie Geschlecht nicht a priori, sondern werden diskursiv hergestellt. Diese Einsicht gilt freilich nicht nur für Ost- bzw. Ostmitteleuropa: Vielmehr kann anhand der Analysekategorien Raum und Geschlecht sichtbar gemacht werden, wie unreflektierte (außerwissenschaftliche) Vorannahmen in historischen Konzepten wirksam sind.
Troebst, Stefan
Editorial zum Themenschwerpunkt „Zur Europäizität des östlichen Europa“.
„Die Europäizität Ostmitteleuropas“ war ein Aufsatz von Wolfgang Schmale betitelt, der 2003 im vierten Band des „Jahrbuchs für Europäische Geschichte“ mit dem Schwerpunktthema „Diktaturbewältigung, Erinnerungspolitik und Geschichtskultur in Polen und Spanien“ erschien. In terminologischer wie systematischer Anknüpfung an Schmales Aufsatz behandeln die Essays des Clio-online-Themenschwerpunkts „Zur Europäizität des östlichen Europa“ zentrale Fragestellungen einer in statu nascendi begriffenen Europäischen Geschichte, wie sie das gleichnamige neue Themenportal befördern möchte: Macht „Europa“ als transnationale, ja globalgeschichtliche Analysekategorie Sinn? Wenn ja: weshalb? Was sind – mit Oskar Halecki – Europas „Grenzen und Gliederungen“? Ist die Konstruktion historischer Teilregionen Europas berechtigt, sinnvoll, gar erkenntnisträchtig? Und falls erneut ja: Hat die – ursprünglich politisch wie sprachlich begründete – historische Teildisziplin Osteuropäische Geschichte mit dem von ihr entwickelten Analyseins
Müller, Michael G.
Europäische Geschichte. Nur eine Sprachkonvention?.
Bisher ist in der Geschichtswissenschaft wenig darüber nachgedacht worden, ob „Europa“ tatsächlich ein geeigneter Raumbegriff für die Geschichtsschreibung ist. Zumeist war die Abkehr von der Nationalgeschichte das bestimmende Motiv dafür, „europäische Geschichte“ zu schreiben. Der Autor weist dagegen auf den Konstruktionscharakter der Wahrnehmung des europäischen Raums in der Moderne hin und stellt heraus, dass die jeweiligen Räume historischer Strukturbildungs- und Wandlungsprozesse nie mit der physikalischen Geografie Europas unmittelbar konsistent gewesen sind. Daher erscheint es als angemessener, von europäischen Geschichten im Plural zu sprechen. Ein europageschichtlicher Ansatz kann jedoch unter der Fragestellung, wie „Europäizität“ in verschiedenen Gesellschaften – je unterschiedlich in verschiedenen räumlichen und zeitlichen Kontexten – wahrgenommen wurde, durchaus gewinnbringend sein.
Alexandre, Philippe
Le libéralisme de gauche allemand et le radicalisme français 1866/68-1914.
Jedes Land hat ein eigenes politisches System, das auf seine Geschichte und Kultur zurückgeht. Auch wenn Vergleiche daher schwierig sind, erlauben sie dennoch Inhalte, Einflüsse und, in einigen Fällen, gemeinsames Handeln auf internationaler Ebene aufzuzeigen. Die deutschen Linksliberalen und französischen Radikalen forderten ab den 1860er Jahren die Einführung eines modernen, repräsentativen Staatswesens, wirtschaftliche Freiheit, sozialen Fortschritt, die Trennung von Kirche und Staat, die Laizität der Schulen. Darüber hinaus stellten die Ausweitung des Kolonialreichs oder die Armee auf beiden Seiten Streitfragen dar. Die französischen Radikalen sahen sich als die geistigen Erben der Ideen von 1789, die deutschen Linksliberalen als die Hüter der Ideen von 1848. Die politische Entwicklung in Frankreich und Deutschland verlangte von beiden Gruppierungen eine Anpassung ihrer Grundsätze, um eine gewisse strategische Offenheit zu bewahren.[...]
Alexandre, Philippe
Le patriotisme à l'école en France et en Allemagne, 1871-1914. Essai d'étude comparatiste
Ende des 19. Jahrhunderts wurde Patriotismus als Leitidee und wichtiges Thema für die Nation erachtet. Eine der Aufgaben der Schule, vor allem der Grundschule, war es, die Jugend zu „nationalisieren“ und sie in einen gemeinsamen Rahmen zu integrieren, in den „physischen“ und „mythischen Körper“ der Nation (Olivier Loubes). Diese Realität äußerte sich auf unterschiedliche Art und Weise je nach Land und Kontext. In Frankreich und Deutschland war es nach dem deutsch-französischen Krieg von 1870/71 Aufgabe der Erziehung zum Patriotismus, die nationale Einheit zu stärken und zugleich ein neues Regime zu legitimieren: im einen Fall die Republik, im anderen die kaiserliche Monarchie.[...]
Heinen, Armin
Les Cabinets. Formen der Politik im interkulturellen deutsch-französischen Vergleich
Für die Ministerialkabinette des französischen Regierungssystems gibt es auf deutscher Seite kein Äquivalent. Der Aufsatz untersucht die Ausbildung der persönlichen Beratungs- und Kontrollstäbe der französischen Minister seit dem 19. Jahrhundert. Die Kabinette werden als spezifische Institutionen der politischen Kultur Frankreichs in der Moderne gedeutet, als Folge des doppelten Gegensatzpaares von Zentralismus und lokalen Honoratiorengruppen, von Administration und Regierung. In den letzten Jahren hat sich das französische Regierungssystem den medial vermittelten westeuropäischen Verhandlungsdemokratien angenähert. Dementsprechend haben die Kabinette an Bedeutung verloren. Überraschenderweise erweisen sie sich jedoch auf europäischer Ebene, im System der europäischen „Mehrebenendemokratie“, als höchst funktional.[...]
Berger, Françoise
Les transferts de technologie américaine dans la sidérurgie française et allemande. . Étude comparée pour l'Entre-deux-guerres
In der Zwischenkriegszeit verfügt die amerikanische Stahlindustrie über einen gewissen technologischen Fortschritt gegenüber der europäischen. Die deutschen und französi¬schen Stahlerzeuger, die untereinander teilweise in enger beruflicher Verbindung stehen (direkt oder anlässlich internationaler Konferenzen), sind an dieser Technologie interes¬siert: Studienreisen werden organisiert, Maschinen importiert. Im Konkur¬renzkampf zwischen den beiden Hauptstahlerzeugerländern in Europa ist es die deutsche Stahlindustrie, welche durch ihre Finanzkraft und ihre Voraussicht in den 1930er Jahren als erste den Schritt zur Ausstattung mit Förderbandstraßen amerikanischer Technologie wagt. Dies ermöglicht ihr einen bedeutenden Vorsprung. Über die Beschreibung dieser Kontakte und der keineswegs nur in eine Richtung verlaufenden Technologietransfers hinaus, wird das Problem behandelt, warum Frankreich damals diese Entscheidung nicht treffen konnte oder wollte.
Lefèvre-Dalbin, Sylvie
L'influence des industriels français et allemands dans la mise en place du Marche commun 1956-1966.
In den 1950er Jahren praktizierten deutsche und französische Industrielle ein Lobbying gegenüber ihren Ministerien und Verwaltungen, das durch die bedeutende Rolle des Staates in der Wirtschaftspolitik gerechtfertigt und lange personelle Kontinuität erleichtert wurde. Auch wenn sie in Bezug auf die unterschiedlichen Vorschläge zur europäischen Integration keine bestimme Meinung äußerten, ließen sie nicht nach, auf die Gefahren internationaler Wirtschaftslenkung hinzuweisen. Zu drei entscheidenden Zeitpunkten der Verhandlung und schließlich bei der Umsetzung des Gemeinsamen Marktes wurde ihr Einfluss deutlich: während der Verhandlung der Römischen Verträge, als die Vorbehalte der französischen Regierung klar vom Druck der Wirtschaftskreise geprägt waren; bei den Debatten um die große Freihandelszone; und dann beim ersten Versuch des Vereinigten Königreichs, der EWG beizutreten. [...]
Grupp, Peter
Parti colonial français und deutsche Kolonialbewegung.
„Parti colonial“ und „Kolonialbewegung“ sind die jeweils gängigen Bezeichnungen für die französische und die deutsche Koloniallobby, das heißt die Gesamtheit der in unterschiedlichen Vereinigungen mit vorrangig propagandistisch-ideellem und weniger pekuniär-geschäftlichem Interesse organisierten „Coloniaux“ oder „Kolonialisten“, das heißt der Personen, die sich in der einen oder anderen Form für die koloniale Sache und die jeweiligen Kolonialreiche interessiert und eingesetzt haben, sei es als Forschungsreisende, Kaufleute, Journalisten, Politiker, Geldgeber oder bloße Sympathisanten. Der Beitrag vergleicht Parti colonial und Kolonialbewegung in allen wesentlichen Aspekten: Ursprung, Entwicklung und Ende, Organisationsstruktur, soziale Zusammensetzung, numerische Stärke, Führungspersonal, parteipolitische Ausrichtung, Motive, Zielsetzungen, Wirkungsmöglichkeiten, Einfluss auf Erwerb und Verwaltung der Kolonien, Bedeutung für die Außenpolitik.[...]
Müller, Klaus-Jürgen
Reflexionen über das Thema "Militär- und Machtstrukturen in Deutschland und Frankreich im 19. und 20. Jahrhundert".
In einem zwischen dem 18. und dem 21. Jahrhundert ablaufenden säkularen Prozess rückte das moderne Militär aus einer exklusiven Stellung im Zentrum staatlicher Macht¬strukturen (dynastischer Fürstenstaaten, dann nationaler Machtstaaten) schließlich in eine Position, in der sie nur eine von zahlreichen anderen staatlichen Funktionsschichten war. Die Militärelite wurde von einer politisch-gesellschaftlichen Machtelite zu einer professionalisierten Funktionsschicht. Das Verschwinden des Ost-West-Antagonismus kann als Epocheneinschnitt in der Entwicklung des Militärs in beiden Ländern angesehen werden. Seit dem weltpolitischen Umbruch von 1989/90 traten Formen organisierter Gewalt in Erscheinung, die sich zwar bereits im Laufe des 20. Jahrhunderts entwickelt hatten, nunmehr aber größeres Gewicht bekamen.[...]
Troebst, Stefan
Region und Epoche statt Raum und Zeit - „Ostmitteleuropa“ als prototypische geschichtsregionale Konzeption.
Das Interesse an der Kategorie „Raum“ ist in der Geschichtswissenschaft den letzten zwanzig Jahren merklich gewachsen. Der vorliegende Beitrag zeichnet die Entwicklung des Konzepts „Geschichtsregion“ seit der Zwischenkriegszeit nach und thematisiert die transnationalen und vergleichenden Aspekte dieses Konzepts. Einen Ausgangspunkt dafür bilden die Arbeiten von O. Halecki, der anhand der Trennung zwischen westlicher und orthodoxer Kirche Ostmittel- von Osteuropa abgrenzt und dessen Ostmitteleuropa-Begriff in der Folgezeit sowohl die westdeutsche als auch die osteuropäische Forschung geprägt hat. Geschichtsregionale Konzeptionen werden häufig implizit und damit unreflektiert in der Forschung verwendet – so in der Nationalgeschichte oder bei der Beschäftigung mit „Europa“ – und weisen oft eine hohe Affinität zu Wahrnehmungs- und Handlungsräumen der jeweiligen Gegenwart auf. Der Autor kommt zu dem Befund, dass das am ostmitteleuropäischen Entwicklungspfad entwickelte Untersuchungsdesign der „Geschichtsregion“ [.
Bories-Sawala, Helga
Sie zeigen auf die Lilien Québecs und meinen den gallischen Hahn. Die Berichterstattung über Québec in deutschen Tageszeitungen, zwischen den Zeilen gelesen
Der Beitrag untersucht, ausgehend von der Berichterstattung in der Tagespresse über das quebecer Unabhängigkeitsreferendum von 1995, die Vektoren der deutschen Québec-Wahrnehmung, im Vergleich zu Italien, wo eigene innenpolitische Konflikte (Sezessionsbestrebungen der Lega Nord) für eine überwiegend ablehnende Haltung der Presse maßgeblich waren, und zu Frankreich, wo erwartungsgemäß Interesse und Verständnis für die Entscheidung, vor der die Québécois standen, aber auch die Differenziertheit der Information größer waren. Generell gilt, dass der jeweilige Blick auf Québec sehr stark vom Grad der Vertrautheit und Vorinformation und von eigenen aktuellen Befindlichkeiten und Interessen geprägt war, sowie von historisch gewachsenen Einstellungen und Sichtweisen.
Müller, Dietmar
Staatsbürgerschaft und Minderheitenschutz. "Managing diversity" im östlichen und westlichen Europa.
Unter Berufung auf das Recht auf nationale Selbstbestimmung entstanden im Kontext der Friedensverträge nach dem Ersten Weltkrieg mehrere neue Nationalstaaten in Osteuropa. Damit hatte sich auch dort das nationalstaatliche Prinzip durchgesetzt, wobei dem Minderheitenschutz die Funktion eines Korrektivs gegenüber befürchteten Bevormundungen ethnischer Minderheiten zukam. Da jedoch die Nation als Ausdruck eines souveränen und einheitlichen Volkes gedacht wurde und deshalb innerhalb der neuen Staaten zumeist nur der Mehrheitsethnie das Recht auf nationale Selbstbestimmung zugebilligt wurde, war der Schutz ethnischer Minderheiten gleichsam ein Fremdkörper und unterminierte die theoretische Konsistenz des Modells „einheitlicher Nationalstaat“.
Ther, Philipp
Von Ostmitteleuropa nach Zentraleuropa. Kulturgeschichte als Area Studies.
In seinem Beitrag vergleicht Philipp Ther die geschichtswissenschaftlichen Raumkonzeptionen Zentraleuropa und Ostmitteleuropa. Das Konzept Ostmitteleuropa, das gerade in der deutschen Forschung weiter vorherrschend bleibt, resultiert für ihn hauptsächlich aus strukturgeschichtlichen Fragestellungen. Darin liege aber sein Nachteil, da dies zu einer mangelnden zeitlichen Differenzierung und zu einer überzogenen räumliche Abgrenzung führe sowie eine thematische Engführung auf strukturgeschichtliche Ansätze einschließe. Das Konzept Zentraleuropa habe dagegen den Vorteil, dass es besonderes die Kommunikation und Interaktion zwischen verschiedenen Regionen betrachtet und dadurch zeigt, wie kulturelle Räume durch „cultural encounters“, Austauschprozesse, Akkulturation, aber auch Krisen und Konflikte geprägt werden. Die so konstituierten Räume können sich überschneiden und verändern sich je nach Periode.
Schmale, Wolfgang
Wie europäisch ist Ostmitteleuropa?.
Nach wie vor ist die Wahrnehmung vieler durch die Vorstellung geprägt, dass mit der Grenzziehung zwischen West- und Ost- bzw. Ostmitteleuropa – mit dem Eisernen Vorhang im Kalten Krieg – gleichzeitig eine Zivilisationsgrenze entstanden sei. Dagegen stellt der Autor heraus, dass Ostmitteleuropa seit dem Spätmittelalter an allen umfassenden Kommunikations- und Kulturtransferprozessen (Renaissance, Reformation und Aufklärung) partizipiert hat, weshalb die davon geprägte nationale wie kulturelle Identität der „Ostblock“staaten während des Kalten Kriegs auch nur oberflächlich überformt wurde. Nach Überwindung der in erster Linie politischen Spaltung bieten die historisch-kulturellen Gemeinsamkeiten der Ostmitteleuropäer und Westeuropäer somit für die Staaten Ostmitteleuropas die Grundlage für ihre „Rückkehr nach Europa“ im Rahmen des europäischen Integrationsprozesses.
Hildermeier, Manfred
Wo liegt Osteuropa und wie gehen wir mit ihm um?.
Nach der Veränderung der politischen Landkarte Osteuropas durch den Zusammenbruch des Sozialismus stellt sich – wie schon nach dem Ersten Weltkrieg – erneut die Frage, auf welche gemeinsamen Merkmale ein einheitlicher Ostmitteleuropabegriff gestützt werden kann. Neben dem katholischen Glauben, den demografisch-ethnischen Verhältnissen und dem Transfer westlicher Rechtsinstitutionen (samt sozialen und wirtschaftlichen Organisationsformen) ist hier vor allem die starke Stellung des Adels zu nennen, die mit einem geringen Gewicht der Städte und des Bürgertums einherging. Im gleichen Zusammenhang stehen auch die gutsherrschaftliche Agrarverfassung und die daraus resultierende Dominanz von Dorf und Landwirtschaft. Freilich haben all diese Kriterien sowohl zeitlich und räumlich als auch sachlich-inhaltlich nur eine begrenzte Reichweite: Die Region Ostmitteleuropa konstituiert sich je nach Fragestellung unterschiedlich.
Die Frage nach der Europäizität Ostmitteleuropas sollte dabei nicht wertend beantwortet [...]
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