Zeitungsbericht über den Einzug der späteren preußischen Königin Luise in Berlin (Königl. Privilegierte Berlinische Zeitung, 1793)
Schon in der vorigen Woche herrschte in unsrer Stadt die froheste Geschäftigkeit, da der Tag herannahete, an welchem die Durchlauchtigen Prinzessinnen Louise und Friederike von Mecklenburg Strelitz, Verlobte Ihrer Königl. Hoheiten des Kronprinzen und des Prinzen Ludwig, ihren Einzug in Berlin halten sollten. Die Querschranken der Promenade unter den Linden wurden, da der Zug mitten durch diese breite und schöne Straße gehen sollte, weggenommen, die Promenade selbst, wo sie von der Witterung gelitten hatte, geebnet, [...] zu Ende der Linden, zwischen dem Palais des Prinzen Heinrich und der Königl. Bibliothek, eine Ehrenpforte, und seitwärts von derselben einige Gerüste für Zuschauer erbauet. Diese Ehrenpforte, welche so groß, geschmackvoll und schön war, daß sie selbst zwischen hohen und prächtigen Gebäuden mit Vergnügen gesehen werden konnte, ließ die hiesige Judenschaft bauen.
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Bald nach Tagesanbruch [am 22. Dezember 1793] versammelten sich die verschiedenen Corps, welche die Durchlauchtigen Prinzessinnen einholen und von Schöneberg an Ihrem Wagen vorreiten wollten. Zu gleicher Zeit eilte schon eine Menge Einwohner unsrer Stadt Theils nach den Straßen, durch die der Zug gehen sollte, Theils nach Schöneberg, um schon dort die Durchl. Prinzessinnen Bräute zu sehen und Ihnen frohe Wünsche zuzurufen. Ungefähr um 10 Uhr Vormittags kamen die verschiedenen Corps nach und nach mit Trompeten und Pauken in Schöneberg an, und postirten sich am Eingange und jenseits des Dorfes. Um eben die Zeit versammelten sich nach und nach die Hofdamen, ingleichen die Herren Hofmarschälle und Kammerherren, welche sich an den Zug anschließen und das Gefolge der Prinzessinnen vermehren sollten, in dem Hause des Herrn Bauraths Itzig in Schöneberg, vor welchem späterhin Ihre Durchlauchten einige Minuten anhielten. [...] Kurz vor 1 Uhr Mittags waren die Durchlauchtigen Prinzessinnen Bräute bis nahe an Schöneberg gekommen, und nun erbaten sich die Anführer der verschiedenen Corps, im Nahmen derselben, die Erlaubniß, dem Wagen von Ihro Durchlauchten vorreiten zu dürfen, welches ihnen auch sogleich auf die gnädigste Art bewilligt ward.
Der Zug ging nunmehr in folgender Ordnung vor sich: [...] 7) Ein Corps junger Kaufleute, jüdischer Nation, 50 an der Zahl, geführt von dem Herrn Baurath Itzig. Die Uniform dieses ebenfalls mit allgemeinem Beifalle gesehenen Corps waren blaue Röcke mit pfirsichblüthenfarbenen Rabatten, Kragen und Aufschlägen, silbernen Epauletts, weißen Unterkleidern, u. Degen mit roth.- u. silbernen Portd’epees, welche es gezogen in den Händen trug. Die weißen Schabracken waren mit roth- und silbernen Tressen besetzt. Die Adjutanten dieses Corps unterschieden sich, so wie der Anführer, durch weiße Federn auf den Hüten.
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Mitten durch die [...] 22 Bürger-Kompagnieen (welche nur bei der Ehrenpforte von einigem Militair gedeckt wurden) und durch die unzählige, jauchzende Menge fuhren die Durchlaucht. Prinzessinnen Bräute unter den Linden hinauf bis zu der schon beschriebenen, und auf Kosten der löblichen Judenschaft von Berlin erbaueten Ehrenpforte. Auf dem Platze zunächst vor derselben, der mit Tanger bestreuet war, standen auf der rechten Seite die Ober-Landesältesten u. Ältesten der Judenschaft, Herr Daniel Itzig, die Hrrn. Jakob Moses, Liepmann Meyer Wulf, Ephr. Veitel u. Hirsch Nathan Bendix, feierlich schwarz gekleidet, und überreichten den Durchl. Prinzessinnen Bräuten ein auf rosenfarbenen Atlas gedrucktes, in blauen mit Silber besetzten Sammet gebundenes Gedicht, auf einem blausammetnen, ebenfalls reich mit Silber besetzten Küssen. Ihm Nahmen von vierzehn weiß gekleideten jungen Frauenzimmern, mit blauen Schärpen um den Leib, und im Nahmen einiger Jünglinge jüdischer Nation, überreichten Demoiselle Zipora Marcuse (Tochter des hiesigen Banquier Herrn Jakob Marcuse) und Demoiselle Lea Jacobi (Tochter des verstorbenen Kaufmanns Herrn Jacobi in Breslau), welche sich beide von den übrigen durch einen grünen Kranz mit weißen Rosen unterschieden, jeder von den Durchl. Prinzessinnen Bräute ein Körbchen mit ausländischen Blumen, um welches ein himmelblaues seidnes Band mit folgenden Versen geflochten war:
Blumen, Blüthen eines fremden Strandes,
Die ein weiser Gärtner hergebracht,
Wurden unsrer Fluren schönste Pracht.
E u c h berief der Gärtner dieses Landes,
S c h ö n e F r e m d e n ! Darum, o! verzeiht,
Daß, die E u r e r sich am längsten freut,
Daß die Jugend E u c h dies Sinnbild weiht.
Die Durchlauchtigen Prinzessinnen Bräute nahmen die Körbchen mit sichtbarem Wohlgefallen an und dankten dafür mit den schmeichelhaftesten, huldreichsten Worten.
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Am Abend dieses frohen Tages war Cour und Souper bei Ihro Majestät der regierenden Königin. Auch für die Bürger unsrer Stadt war die Freude dieses festlichen Tages mit dem glänzenden Einzug noch nicht geendigt. Die Kaufmannschaft gab einen großen Ball im Corsikaschen Hause, welches sehr glänzend erleuchtet war. Einen andern Ball gab die löbliche Schützengilde in ihrem Gildehause auf dem Schützenplatz. Noch einen andern gab der Ober-Landesälteste der Judenschaft und Hofbanquier Herr Daniel Itzig in seinem Hause und hatte dazu, außer den jungen Kaufleuten jüdischer Nation, welche mit an dem Einzuge Theil genommen, auch noch viele andre Personen beiderlei Geschlechts, Theils christlicher, Theils jüdischer Religion, eingeladen. [...]