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Auszüge aus einer Korrespondenz des Schweizerischen Konsulats bezüglich in Neuseeland internierten Deutsch-Tonganern (1941/1942)

I. Unterstützung aus deutschen Mitteln für die in Neuseeland internierten Deutsch-Tonganer W.G. und F.C. Wolfgramm


CONSULATE OF SWITZERLAND

WELLINGTON, N.Z.


 Wellington, N.Z.
 16. September 1941.



Schweizerische Gesandtschaft,

Special Division,

Duke of York Steps,

LONDON, S.W.1.

Herr Minister,

Mit meinem Telegramm Nr. 16, vom 13. Juni 1941, betreffend unterstützungsbedürftige deutsche Internierte auf Somes Island für das zweite Quartal 1941, habe ich Sie darauf aufmerksam gemacht, dass sich dort zwei unterstützungsbedürftige Internierte W.G. und F.C. W o l f g r a m m aus Tonga befinden, deren Nationalität jedoch nicht abgeklärt sei.

In meinem bezüglichen Kabel teilte ich Ihnen auch mit, dass der Vater der beiden im Jahre 1888 bezw. 1886 auf Tonga geborenen Internierten, nämlich Gustav Wolfgramm, in Pyritz, Pommern, geboren worden sei, und dass das ehemalige Deutsche Generalkonsulat in Wellington angeblich zwecks Feststellung der Nationalität der Herren W.G. und F.C. Wolfgramm am 22. Februar 1939 an die deutsche Regierung geschrieben habe.

Der deutsche Lagerälteste auf Somes Island, Herr R.P. Berking, möchte für die beiden Internierten Wolfgramm die bedürftigen deutschen Internierten quartalsweise zukommende Unterstützung aus öffentlichen deutschen Mitteln ermöglichen und hat mir unter dem 7. September den beiliegenden Brief nebst Beilagen zukommen lassen.

Ich darf Sie bitten, die Sache evtl. an die deutschen Behörden durch Vermittlung unserer Regierung weiterzuleiten.

Genehmigen Sie, Herr Minister, die Versicherung meiner ausgezeichneten Hochachtung.


 Schweizerisches Konsulat,
 Vertretung der deutschen Interessen,
 (gez.) SCHMID
 Konsul.
 
 
 
 





Sender: Tonga-German Internees.

Somes Island


7th September, 1941.

The Swiss Consul,

Dr. W. Schmid,

Wellington.


Dear Sir,


Re: Wolfgramm Brothers.

Bezüglich der Reichsangehörigkeit der beiden Genannten und der damit in Verbindung stehenden monatlichen Hilfsgelder ist nunmehr weitere Auskunft mit der letzten Post von Tonga vorgestern hier eingetroffen.

Beiliegend überreiche ich Ihnen ergebenst ein Originalschreiben des Herrn General-Konsul Ramm vom 20.März 1939, wonach die Familie des dritten Bruders der Familie Wolfgramm im Konsulat eingetragen wurde. Des weiteren hat Frau Wolfgramm an ihren Ehemann mitgeteilt, dass damals, als Herr G.K. Ramm in Vavau war, er mit Herrn Schülke sich die genaueste Auskunft über die Vavau-Deutschen geben liess und zwar schriftlich, worauf dann später Herr G.K. Ramm den Empfang dieser Auskünfte bestätigte, indem er mitteilte, dass er nunmehr alles eingetragen habe, "placed on record". Hierzu bemerkt W. Wolfgramm, dass er, sowie Fr. Wolfgramm, ihre Anmeldungen durch ihren Bruder Otto Wolfgramm im General-Konsulat in Wellington machen liessen, weil Otto in Vavau wohnt, während die beiden hiesigen weit ausserhalb auf anderen Inseln etabliert sind und nur gelegentlich nach Vavau kommen.

Wie dem nun auch sein mag, ich glaube, dass kein Zweifel berechtigt sein dürfte, am Deutschtum der beiden Genannten, wenn auch der dokumentarische Beweis hierfür nur für den dritten Bruder vorliegt. Die Insel-Leute sind nun mal so, wenn der eine seinem Bruder eine Sache zur Besorgung gibt, nimmt er an, dass damit die Sache seine Erledigung gefunden hat, weil es meistens ja dann auch so ist. Ich von mir aus kann nur nachdrücklichst Ihnen, werter Herr Konsul, erklären, dass ich die Familien-Mitglieder der ganzen Wolfgramm'schen Familien immer als gute Deutsche gekannt habe und sollte es mich besonders freuen, dass Sie sich in der Lage gesehen haben, den Anträgen dieser beiden Wolfgramms auf gütige Gewährung der monatlichen Unterstützungen mit Beginn des zweiten Vierteljahres, wie bei den anderen Tonganern, zu entsprechen. Ich erlaube mir daher, diesen Antrag des W. Wolfgramm und des F.C. Wolfgramm hiermit ergebenst vorzulegen.

Ich füge noch hinzu, dass ich selbstverständlich bereit bin, später die nötigen Schritte zu unternehmen, die nötig sein sollten zur Wiedereinziehung dieser Gelder nach diesem Krieg.


 Ich verbleibe inzwischen
 Stets Ihr ergebener
 gez. R.P. BERKING





II. Wunsch der Internierten, Familienangehörige aus Tonga nach Neuseeland evakuieren zu lassen, und Beschwerden über deren Lebensumstände in Vava'u.

[…]

6. Mai 1942

An die Sonderabteilung

der Schweizerischen Gesandtschaft

Duke of York Steps

LONDON S.W. 1


Herr Minister,

Betrifft: Evakuierte deutsche Frauen und Kinder

_ aus Tonga in Auckland, Neuseeland. __

[…]

Klassifizierung der Evakuierten.

[…] Durch allgemein verbindliche Instruktionen des "High Commissioner for the Western Pacific" in Suva, in dessen Regierungsbereich das Britische Protektorat Tonga faellt, wurde die Evakuierung aller Frauen und Kinder (bis zu 16 Jahren) europaeischer Rasse verfuegt. Ein Unterschied zwischen eigenen, neutralen oder feindlichen Staatsangehoerigen sei dabei nicht gemacht worden, sodass grundsaetzlich deutsche Frauen und Kinder nach den gleichen Prinzipien evakuiert werden sollten wie britische Staatsangehoerige oder Angehoerige neutraler Staaten. […]

[…]

Evakuierung z. Zt. noch in Tonga zurueckgelassener deutscher Staatsangehoeriger:

U. W. befinden sich z. Zt. noch in Tonga die Frau und 11 Kinder eines in Neuseeland internierten deutschen Staatsangehoerigen, sowie der 18jaehrige Sohn eines anderen deutschen Internierten, dessen Frau und Tochter bereits evakuiert wurden. Alle sind europaeischer Rasse und waeren, vielleicht mit Ausnahme des 18jaehrigen jungen Mannes, somit unter die obligatorische Evakuierung gefallen. Aus Gruenden der Sicherheit und wegen ihres Auskommens verlangen dieselben nun auch ihre Evakuierung nach Neuseeland. Ich habe in beiden Faellen die tonganische Regierung nun um ihre Auffassung in der Sache gebeten. In drei weiteren Faellen haben hier internierte deutsche Staatsangehoerige, deren Familien in Tonga zurueckgeblieben sind, auch ein Gesuch um Evakuierung derselben nach Neuseeland gestellt. Es handelt sich dabei jedoch um Frauen tonganischer oder gemischter Abstammung, welche allem Anscheine nach nicht unter die obligatorische Evakuierung fallen konnten. Im Hinblick auf die auch in diesen Faellen vorgebrachten Klagen wegen Bedrohung ihrer Sicherheit und mangelhaften Auskommens haben wir die tonganischen Behoerden auch hier um Bekanntgabe ihrer Auffassung gebeten und sie zudem ersucht, uns wenigstens die Zusicherung zu geben, dass die noetigen Massnahmen getroffen werden, um diesen Familien, falls Klagen wegen bedrohter Sicherheit, die sie vorgebracht haben, begruendet sind, den noetigen Schutz angedeihen zu lassen. Auch die Frage ausreichender monatlicher Unterstuetzungen haben wir bei den tonganischen Behoerden schriftlich aufgeworfen. Kleine Familien ( z.B. Frau und 1 Kind ) unterstuetzt die tonganische Regierung z.Zt. angeblich mit £ 1 im Monat, groessere ( z.B. Frau mit 4 und mehr Kindern ) mit £ 2. […] Vergleichsweise erwaehne ich hier, dass seiner Zeit einer in Nukualofa zurueckgelassenen Frau mit 4 unerwachsenen Kindern ( jetzt in Auckland evakuiert ), nebst 2 erwerbstaetigen Soehnen, von der tonganischen Regierung auf unsere Intervention hin monatliche Unterstuetzungen im Betrage von £ 6.10.0 gewaehrt wurden. […] Es handelte sich in diesem Falle jedoch um Vollweisse, welche nach europaeischem Standard leben, waehrend es sich bei den nun noch in Tonga zurueckgebliebenen Leuten meistens um Mischlinge handelt oder im Falle einer vollweissen Familie angeblich um Personen, welche "native style" leben sollen. Aus diesem Grunde duerfte sich die Abstufung der Unterstuetzungsbetraege erklaeren. […]

Genehmigen Sie, Herr Minister, die Versicherung meiner ausgezeichneten Hochachtung.


 Schweizerisches Konsulat,
 Vertretung der deutschen Interessen,
 

(Schmid)

Konsul.






CONSULATE OF SWITZERLAND

WELLINGTON



 WELLINGTON, N.Z.
 11th September 1942


Swiss Legation

Special Division

Duke of York Steps

LONDON S.W.l.


Monsieur le Ministre,

 Re families left behind in Tonga of German internees
 on Somes Island, New Zealand.



[…]

EVACUATION

It would seem that the British authorities can hardly be requested on any legal ground to evacuate German women and children from Tonga to New Zealand, although as you already know, they have evacuated a number of them on the same basis as British and neutral women and children belonging to the European race. The government evacuation plan embraces only women and children who are classified as belonging to the European race, and according to the advice of the British Consul no Tongans (racially) have been evacuated. […]

There are still a few German women and children belonging to the European race left in Tonga, as for instance, the wife of the German internee H. E. Guttenbeil, with a number of children, for whom the Tongan Government does not contemplate any further evacuation. However, due to our representations to the British Consul, their allowance has now been raised from £2 to £5 monthly. The internee H.E. Guttenbeil, when I recently saw him, advised me that he would not insist further on the evacuation of his family to New Zealand, so that this case, in my opinion, may be regarded as satisfactorily settled.

[…]

SCHOOLING OF GERMAN CHILDREN LEFT BEHIND IN TONGA

We are advised that there are no European (white) teachers left in Tonga and that therefore the European schools are closed down altogether. I am reluctant to assume that the British Authorities can be requested to evacuate German families from Tonga to New Zealand at the British Government's expense to enable these families to have their children educated in New Zealand. In his report the British Consul observes that 'there have never been any other schools in Vavau except those run by the Tongan Government which are still available', and that complaints made by these people about lack of schooling are not understood.

[…]

MEDICAL ATTENTION TO GERMAN NATIONALS IN TONGA

The attention of the British Consul in Tonga has been drawn to this subject in one case and his reply of the 24th June 1942, states 'Mrs. Sanft is pure Tongan and gets the same medical attention (free) as other Tongans do'. This reply of the British Consul does not cover the question of whether or not dental treatment is included in the free medical treatment, although, in the specific case which brought up the question of medical attention, dentist's bills were an integral part. […]

MONTHLY ALLOWANCES PAID TO GERMAN NATIONALS IN TONGA BY THE TONGAN GOVERNMENT

After the amount of the regular monthly allowance for the full white family of H.E. Guttenbeil, referred above, had been increased from £2 to £5, there were only 3 complaints left open, namely as regards

1. Mrs. R.F. Sanft, pure Tongan with 4 children of the ages 9,11,13,15, wife of a half-caste German internee on Somes Island, New Zealand, receiving an allowance of £2 per month.

2. The children of O.E.Wolfgramm (widower) half-caste German internee on Somes Island, New Zealand. 10 quarter-caste children in Tonga ages 6,8,10, 12, 14, 22 and four over 22, receiving a monthly allowance of £2.

3. Mrs. W.G. Wolfgramm, full Tongan wife of half-caste German internee on Somes Island, New Zealand, with one dependent child of 11 years, and a number of grown-up children, receiving a monthly allowance of £1.

[…]

R.F. Sanft’s family: ' […] Mrs. Sanft is pure Tongan by birth, her father has plenty of land, and she herself has land and is not being pressed to pay her leases. She has many Tongan relations who help her. The Acting Chief Justice reported that the family was well-dressed and had cigarettes and similar luxuries (which the Europeans themselves find extremely hard to obtain). The daughter was given work by Messrs. Morris Hedstrom Ltd. recently, and left after a week of her own accord, apparently from laziness. Since Sanft's internment Mrs. Sanft has made three pleasure trips to Nukualofa, paying her passage on the Government schooner 'Hifofua', and her daughter, one. The allowance of £2 per month is considered adequate and the Acting Chief Justice opinion is that the family is better off for Sanft's internment. '

O.E. Wolfgramm’s family: 'The eldest daughter, a reliable and trustworthy girl, received £9 per month from Burns Philp and draws the whole of her Sergeant Major husband's salary amounting to £7.15.0. This man is stationed in Nukualofa. The family also receive an allowance of £2 per month. Since they live together, their total income at present amounts to £18.15.0. per month. […]

It will be seen that they are more than adequately provided for financially, and indeed, the Tonga Government’s ex gratis payment of £2 per month appears unnecessarily generous.

Wolfgramm states that six of his nine children are grown up. There is plenty of work for all adults in Tonga now if they care to do it. '

W.G. Wolfgramm’s family: ' Mrs. Wolfgramm is a Tongan woman and Wolfgramm's statement that his profession allowed his family to live on a European standard is untrue, they have, in fact, always lived as Tongans, and the Acting Chief Justice reports that the family are in every way Tongan. The family is grown up, one daughter is married to a Tongan schoolmaster who earns £3.5.0. per month, and the eldest son is married to a Tongan woman. The other sons have land near the family homestead where they plant food for the use of all. They are allowed the use of their small boat for fishing (local Europeans would pay high prices for fish, if it was offered them), and they can make copra and sell it at the present high rates, or take advantage of the work offering with good wages. […]'

CARRYING ON OF RETAIL TRADE

Only two cases of this nature have come to our attention […]. In the second case the opening of the closed store was not allowed because of the impending foreclosure. The report of the British Consul at Tonga on this is as follows: 'Wolfgramm before his internment owed Messrs. Burns Philp some £8,000, and the Company have now foreclosed, which they intended to do whether Wolfgramm was interned or not. Messrs. Burns Philp's action in foreclosing is, of course, entirely legal.'

[…]

Accept, Monsieur le Ministre, the expression of my highest esteem.


 (Schmid)
 Consul of Switzerland
 in charge of German Interests






Zitationsempfehlung:
Auszüge aus einer Korrespondenz des Schweizerischen Konsulats bezüglich in Neuseeland internierten Deutsch-Tonganern (1941/1942). In: Themenportal Europäische Geschichte (2013),  URL: http://www.europa.clio-online.de/2013/Article=610.

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