|  | 
Logo TP Europische Geschichte
Logo Clio-online
Quellen
  [pdf-Version]

Enea Silvio Piccolomini über Europa und die Türken (Auszüge aus Asia, De Europa, Constantinopolitana clades, Epistula ad Mahometem, 1454-1461) [1]

Quelle 1

Enea Silvio Piccolomini, „Asia“ [2]

Europa per Hispaniam, Italiam et Peloponessum australior est, parallelum, qui per Rhodium ducitur, attingens; in septentrionem per Germaniam et Norvegiam maxime est protensa. [...] Europe et Asie coniunctio fit per dorsum, quod inter paludem Maeotim et Sarmaticum oceanum excurrit super Tanais fluvii fontes.

Europa ist durch Spanien, Italien und den Peloponnes südlich begrenzt, wobei es den Breitengrad berührt, der durch Rhodos führt. Im Norden dehnt es sich durch Germanien und Norwegen am weitesten aus. [...] Europa und Asien sind durch einen Landrücken verbunden, der sich zwischen den mäotischen Sümpfen [Asowsches Meer] und dem sarmatischen Meer [Ostsee] bis oberhalb der Quellen des Tanais [Don] hinzieht.

Quelle 2

Enea Silvio Piccolomini, „De Europa“ [3]

Que sub Friderico, tertio eius nominis imperatore, apud Europeos[4]et, qui nomine christiano censentur, insulares homines gesta feruntur memoratu digna mihique cognita, tradere posteris quam brevissime libet.

Die Ereignisse, die unter Friedrich, dem dritten Kaiser dieses Namens, bei den Europäern und, soweit sie für Christen gehalten werden, bei den Inselbewohnern geschehen sein sollen, will ich, sofern sie der Erinnerung wert und mir bekannt geworden sind, der Nachwelt in möglichst knapper Form überliefern.

Quelle 3

Enea Silvio Piccolomini, „Constantinopolitana clades“ [5]

A.Constantinopolitana clades, reverendissimi patres, illustrissimi principes ceterique viri genere ac doctrina prestabiles, quoniam Thurcorum grandis victoria, Grecorum extrema ruina, Latinorum summa infamia fuit, unumquemque vestrum, ut arbitror, tanto magis angit magisque cruciat, quanto et nobiliores estis et meliores. quid enim viro bono et nobili magis congruit quam curam gerere fidei orthodoxe, favere religioni, Christi nomen salvatoris pro sua virili magnificare atque extollere? sed amissa nunc Constantinopoli, tanta urbe in potestatem hostium redacta, tanto Christianorum sanguine fuso, tot animabus in servitutem abductis, vulnerata est miserabiliter catholica fides, confusa turpiter nostra religio, Christi nomen dampnificatum nimis atque oppressum. Neque, si verum fateri volumus, multis ante seculis maiorem ignominiam passa est quam modo Christiana societas. retroactis namque temporibus in Asia atque in Affrica, hoc est in alienis terris, vulnerati fuimus, nunc vero in Europa [6], id est in patria, in domo propria, in sede nostra percussi cesique sumus. et licet dicat aliquis ante plurimos annos ex Asia Turchos in Greciam transivisse, Tartaros citra Thanaim[7]in Europa consedisse, Sarracenos Herculeo mari [8]traiecto Hispanie portionem occupasse; numquam tamen aut urbem aut locum amisimus in Europa, qui Constantinopoli possit equari. [9][… - Lob Konstantinopels] At hic locus tam commodus, tam utilis, tam necessarius, nobis tacentibus, ne dicam dormientibus, amissus Christo Salvatori, lucrifactus Mahometo seductori est. Quod quod ibi ex duobus imperatoribus christianis alter occisus est? Nonne ex duobus oculis alterum erutum, ex duabus manibus alteram amputatam dicere possumus? [S. 263f.]

A. Konstantinopels Untergang, ehrwürdige Väter, erlauchte Fürsten und ihr anderen nach Stand und Bildung hervorragenden Männer, der für die Türken ein großer Sieg, für die Griechen die größte Katastrophe, für die Lateiner die höchste Schmach war, ängstigt und quält einen jeden von euch, wie ich glaube, umso mehr, je edler und besser ihr seid. Denn was kommt einem guten und edlen Mann ehr zu als sich um den Glauben zu sorgen, die Religion zu fördern, den Namen des Erlösers Christus wie er kann zu stärken und zu erhöhen? Aber nachdem nun Konstantinopel verloren, eine so große Stadt in die Gewalt der Feinde geraten, so viel Christenblut vergossen ist, so viele Gläubige in die Knechtschaft geführt sind, ist der katholische Glaube schwer verwundet, unsere Religion schändlich erschüttert, der Name Christi im Übermaß geschädigt und erniedrigt. Auch viele Jahrhunderte zuvor hat die Christengemeinschaft, wenn wir die Wahrheit bekennen wollen, niemals größere Schmach erlitten als jetzt. Denn in früheren Zeiten wurden wir in Asien und Afrika, das heißt auf fremdem Gebiet, verwundet, nun aber sind wir in Europa, das heißt im Vaterland, im eigenen Haus, an unserem Sitz erschüttert und niedergemetzelt worden. Und obwohl jemand sagen mag, die Türken seien doch [schon] vor vielen Jahren von Kleinasien nach Griechenland übergesetzt, die Tataren hätten sich diesseits des Don festgesetzt, die Sarazenen nach Überschreitung der Straße von Gibraltar einen Teil Spaniens okkupiert; so haben wir doch niemals eine Stadt oder einen Ort in Europa verloren, der Konstantinopel vergleichbar wäre. [...] Und dieser so vorteilhafte, so nützliche, so notwendige Ort, ging dem Erretter Christus verloren und wurde Beute dem Verführer Mohammed, – während wir schwiegen, um nicht zu sagen: schliefen. [S. 263f.]

B. Ac primum de belli iustitia cognoscamus. bellum, quod pro tuenda religione, pro salvanda patria, pro conservandis sociis ex auctoritate superioris geritur, nemo umquam veterum reputavit iniustum.[10]hinc Moysi [11], hinc Josue, hinc Saulis, hinc Davidis [12], hinc Machabeorum prelia commendantur. hinc illi Demosthenis clamores, quibus plenum exultabat apud Athenas theatrum, in Marathone, in Arthemisio, in Salamini pro patria defunctos commendantis. [13]hinc ex Romanis Oratii Fabii Decii et alii pene innumerabiles celebrantur, qui pro salute suorum civium se devovere. hinc ex vestris Germanis Karoli Rolandi [14]Rainaldi [15]Conradi Ottones Heinrici, Friderici eternis preconiis extolluntur [16], qui pro tutandis Christianorum finibus maximis se periculis obiectarunt. Nunquam tamen vestris progenitoribus tam iusta pugnandi causa quam vobis obiecta est. Nunquam illi tam atrocem iniuriam, tam iniquam contumeliam ab infidelibus acceperunt, quemadmodum perpessa est hoc nostro tempore Christiana communitas. [S. 266f.]

B. Zuerst wollen wir über die Berechtigung zum Krieg nachdenken. Einen Krieg, der zum Schutz der Religion, zur Rettung des Vaterlands, zur Bewahrung der Verbündeten mit der Autorität eines Hochgestellten geführt wird, hat nie einer der Alten für ungerecht gehalten. Deswegen empfehlen sich die Kämpfe des Moses, des Josua, des Saulus, des David, der Machabäer. Hier erfüllen sich die Klagereden des Demosthenes, über die das voll besetzte Theater in Athen jubelte, in denen er die in Marathon, am Kap Artemision, in Salamis für das Vaterland Gefallenen [den Athenern] anempfahl; deswegen werden aus dem Kreis der Römer die Horatier, Fabier, Decier und andere fast unzählige [Helden] gepriesen, die sich für das Heil ihrer Mitbürger opferten; deswegen werden aus dem Kreis eurer Deutschen ein Karl, ein Roland, ein Rainald, die Konrade, Ottonen, Heinriche und Friedriche mit ewigem Lobpreis geehrt, die sich, um die Grenzen der Christenheit zu schützen, den größten Gefahren aussetzten. Nie kam aber euren Vorfahren ein so gerechter Kriegsgrund entgegen wie euch. Nie haben sie so grausames Unrecht, so erniedrigende Schande von den Ungläubigen empfangen, wie es zu unserer Zeit die Gemeinschaft der Christen erduldet hat. [S. 266f.]

C. Nunc ex bello que sequatur utilitas breviter exponendum est: [...] Vos igitur, principes, si fructum huius belli contra Thurcos suscipiendi cognoscere cupitis, damna, que toti Christianismo imminent, nisi Thurcorum frangatur impetus, pensitate. audivistis, que passi sunt Constantinopolitani. idem nunc multe civitates expectant, nisi, dum tempus est, opitulamini. serpit in dies hoc virus[17]magis ac magis: nunc una provincia, nunc alia nobis deficit. [… - Schildert den Verlust Serbiens] Hungari, qui hactenus fidei nostre clipeus, nostre religionis murus fuere [18], bis victi [19]bello post mortem Alberti regis [20], bis capti a Thurcis sunt, centum milia hominum aut eo plus duobus preliis amisere.[…] Magna est Turcorum potentia et in Asia et in Grecia. [… - Schildert die militärische Stärke der Türken, denen Ungarn allein nicht gewachsen sei.] Sive vincitur Hungaria sive coacta iungitur Turcis, neque Italia neque Germania tuta erit neque satis Rhenus Gallos securos reddet. [S. 271]

C. Nun ist kurz der Nutzen dazulegen, der aus dem Krieg erfolgt [...] Wenn ihr also, ihr Fürsten, die Früchte dieses Kriegs gegen die Türken kennen lernen wollt, so wägt den Schaden ab, der dem ganzen Christentum droht, wenn der türkische Ansturm nicht gebrochen wird. Ihr habt gehört, was die Bewohner Konstantinopels erlitten haben, das Gleiche erwarten viele Städte, wenn wir nicht helfen, solange es Zeit ist. Die Krankheit schleicht von Tag zu Tag weiter und weiter fort, jetzt geht die eine, dann eine andere Provinz verloren. [...] Die Ungarn, bisher Schild unseres Glaubens und Schutzmauer unserer Religion, wurden nach dem Tod König Albrechts zweimal im Krieg besiegt, zweimal von den Türken besetzt und haben in zwei Schlachten mehr als einhunderttausend Mann verloren. [...] Groß ist die Macht der Türken in Europa und in Asien. [...] Wenn Ungarn besiegt oder zur Bundesgenossenschaft mit den Türken gezwungen wird, dann werden weder Italien noch Deutschland sicher sein und der Rhein wird die Franzosen nicht mehr sichern. [S. 271]

D. Pugnandum est vobis omnino, Principes, si liberi, si Christiani vitam ducere cupitis. Existimatote nunc, an salvis et integris sociis, an fractis atque dimissis id agere magis expediet. [Bringt als Beispiel die Römer] Nam foris, si qua fuerit accepta calamitas, emendari potest, quae domi excipiuntur clades, exitiales habentur. [Das Beispiel Hannibals]. Et vos ergo, Theutones, si, quemadmodum spero, sapientes eritis maiores vestros imitabimini, qui remota semper a domo bella gerere[21], ac vicinorum fines non minus quam suos tueri consueverunt. Quod si, vos, Germani, hoc tempore Hungaros neglexistis, non erit denique, cur vos ex Gallis auxilia prestolemini, nec rursus illi apud Hispanos opem invenient. [S. 272]

D. Kämpfen müsst ihr Fürsten, allemal, wenn ihr frei sein, wenn ihr das Leben eines Christen weiter führen wollt. Denkt nun nach, ob das eher mit gesunden und intakten oder mit gebrochenen und zerstreuten Bundesgenossen zu bewerkstelligen ist. [...] Denn wenn man draußen eine Schlappe erleidet, kann das korrigiert werden; Niederlagen, die man auf eigenem Gebiet erleidet, sind tödlich. Und ihr also, Teutonen, wenn ihr, was ich hoffe, weise seid, dann ahmt ihr eure Vorfahren nach, die immer Kriege außerhalb des eigenen Landes geführt haben und Grenzen der Nachbarn nicht weniger als die eigenen beschützt haben. Wenn ihr, Deutsche, in dieser Zeit die Ungarn im Stich lasst, gibt es keinen Grund, warum ihr dann von den Franzosen Hilfe fordern könntet, und diese wiederum werden keine Hilfe bei den Spaniern finden. [S. 272]

E. "Neque vos soli, Theutones", inquam, "pugnabitis: ex Italia, ex Gallia, ex Hispania multi concurrent; nec Hungari deerunt nec Bohemi, fortissime gentes, Rasciani, Bulgari, omnes Illirienses [22], omnes Greci sumpta occasione consurgent; vicini quoque in Asia dabunt manus".[23]Nolite existimare, principes, ita omnem Asiam Maumeto parere, ut non multi sint Christo servientes; multi in Cilicia Bithinia Capadocia Ponto Siria [24]Christiani sunt, quamvis iugo servitutis oppressi. Hiberi, qui et Georgiani vocantur [25], Trapezuntii [26], Armeni Christum colunt nec cunctabuntur arma sumere, si vos viderint audentes. [S. 279]

E. „Aber ihr werdet nicht allein kämpfen, ihr Deutschen“, möchte ich sagen: aus Italien, aus Frankreich, aus Spanien, werden viele kommen, weder die Ungarn noch die Böhmen, sehr tapfere Völker, werden fehlen, die Serben, die Bulgaren, alle Bewohner des Balkans, alle Griechen werden die Gelegenheit ergreifen und sich erheben. Auch Nachbarn in Asien werden die Hand reichen. Glaubt nicht, ihr Fürsten, ganz Kleinasien gehorche Mehmed so, dass es nicht noch viele gäbe, die Christus dienen; viele in Kilikien, Bithynien, Kappadokien, Pontos und Syrien sind Christen, wenn auch mit dem Joch der Knechtschaft belegt. Die Hiberer, die auch Georgier genannt werden, die Trapezuntiner, die Armenier verehren Christus und werden nicht zögern, die Waffen zu ergreifen, wenn sie nur euch wagemutig sehen. [S. 279]

Quelle 4

Enea Silvio Piccolomini, „Epistula ad Mahometem“ [27]

Ante omnia vero monstratum est, non posse te assequi inter christianos gloriam et potentatum, quem videris optare, maxime apud Europeos et Occidentales populos, dum in tua secta perseveraveris. Quodsi velles Christianis initiari sacris, magnam tibi spem fecimus et potentiae et gloriae. Memento igitur verborum nostrorum et accipe fidele consilium: sume baptismum Christi et lavacrum Spiritus Sancti; amplectere sacrosanctum Evangelium et illi te totum committe: sic tuam animam lucrifacies, sic Turcarum populo bene consules, sic tuae cogitationes adimpleri poterunt, sic tuum nomen in saecula celebrabitur, sic te omnis Graecia, omnis Italia, omnis Europa demirabitur, sic Latinae litterae, sic Graecae, sic Hebraicae, sic Arabicae, sic omnes barbarae celebrabunt, sic nulla aetas de tuis laudibus conticescet, sic pacis auctor et fundator quietis appellaberis, sic te Turcae animarum suarum repertorem et Christiani suae vitae conservatorem vocabunt. Syri, Aegyptii, Libyci, Arabes et quaecumque sunt aliae gentes extra Christi caulas aut, his auditis, tuam viam sequentur, aut tuis et Christianis armis parvo negotio domabuntur. [148, S. 1-2]

Vor allem aber ist gezeigt worden, dass Du den Ruhm und die Machtstellung, die Du Dir zu wünschen scheinst, unter den Christen, zumal bei den Europäern und den abendländischen Völkern, nicht erreichen kannst, solange Du in Deinem Irrglauben verharrst. Für den Fall aber, dass Du bereit sein solltest, Dich in die christlichen Sakramente einweihen zu lassen, haben wir Dir große Hoffnung auf Macht und Ruhm in Aussicht gestellt. Erinnere Dich also an unsere Worte und nimm vertrauenswürdigen Rat an: Empfange die Taufe Christi und Waschung des Heiligen Geistes! Nimm das allerheiligste Evangelium in Dein Herz auf und vertraue Dich ihm vollständig an! So wirst Du Deine Seele gewinnen, so wirst Du gut für das Volk der Türken sorgen, so werden sich Deine Pläne erfüllen können, so wird Dein Name in Ewigkeit gepriesen werden, so wird Dich ganz Griechenland, ganz Italien, ganz Europa bewundern, so werden Dich die lateinischen, die griechischen, die hebräischen, die arabischen und alle barbarischen Schriftwerke preisen, so wird kein Zeitalter mit Lobpreisungen auf Dich verstummen, so wirst Du Urheber des Friedens und Begründer der Ruhe genannt werden, so werden Dich die Türken den Wiederentdecker ihrer Seelen und die Christen den Retter ihres Lebens nennen. Die Syrer, Ägypter, Libyer und Araber, und welche Völker sich noch außerhalb der Hürden Christi befinden, werden, wenn sie davon hören, entweder Deinem Weg folgen oder von Deinen und den christlichen Waffen mit Leichtigkeit bezwungen werden, und wenn sie Dich nicht als Verbündeten unter unserem Gesetz haben wollen, werden sie Dich als Herrn in ihrem eigenen zu spüren bekommen. Wir werden Dich unterstützen und Dich mit Hilfe der göttlichen Gnade als rechtmäßigen Herrscher über diese Völker einsetzen. [148, S. 1-2]



[1] Für die „Europa“ und die „Epistula ad Mahometem“ liegen moderne kritische Ausgaben vor, für die „Asia“ und Frankfurter Rede „Clades“ ist auf die alten Drucke zurückzugreifen. Für die „Epistula“ liegt eine deutsche Übersetzung vor, die hier übernommen wird. Die übrigen Übersetzungen ebenso wie der Anmerkungsapparat stammen von Johannes Helmrath.

[2]Enea Silvio Piccolomini, Aus der „Asia“: Pius II., Cosmographia Pii papae in Asiae et Europae eleganti descriptione, o. D., o. O. [Paris 1509], S. 4f.

[3] Enea Silvio Piccolomini, Beginn von „De Europa“:Pius II., Enee Silvii Piccolominei postea Pii PP. II De Europa, hg. von Adrianus van Heck (Studi e testi 398), Vatikanstadt 2001, S. 27, 1-3.

[4] Europeus kann hier substantivisch (die Europäer), weniger wahrscheinlich auch adjektivisch verstanden werden, bezogen dann so wie insulares auf homines. In jedem Fall evoziert es einen Gegensatz bzw. Unterschied zu insulares, kommt also der Bedeutung „Festlandsbewohner“ nahe. Wer die Inselbewohner sind (Bewohner der mittelmeerischen, atlantischen oder der Britischen Inseln?) lässt sich kaum spezifizieren.

[5] Enea Silvio Piccolomini, Rede „Constantinopolitana clades“ in Frankfurt am 15. Okt. 1454: Pius II., Pii II orationes politicae et ecclesiasticae, hg. von Johannes Dominicus Mansi, 3 Bde., Lucca 1755-1757-1759, hier Bd. 1, S. 263-285 (relativ bester der alten Drucke). Eine neue Edition durch den Verfasser in Deutsche Reichstagsakten (RTA), Bd. 19,2 steht vor dem Abschluss.

[6] Siehe schon Eneas erste Reaktion auf den Fall Konstantinopels im Brief an Papst Nikolaus V. vom 12. Juli 1453: Nos in Europa, in nostro solo, inter Christianos potentissimam urbem [...] sinimus expugnari; RTA XIX,1 Nr. 2,6 S. 22 Z. 36f. Siehe Mertens, Dieter, Europäischer Friede und Türkenkrieg im Spätmittelalter, in: Duchhardt, Heinz (Hg.), Zwischenstaatliche Friedenswahrung in Mittelalter und Früher Neuzeit, Köln 1991, S. 45-90, hier S. 48-54.

[7] Tanais, im Sarmatenland = Don. In der Antike als Grenze der bewohnten Welt bzw. die Grenze Europas nach Osten angesehen (vgl. Hor., Carm. III 10,1 und IV 15,24: extremum Tanain).

[8] Straße von Gibraltar, nach antiker Vorstellung flankiert von den Säulen des Herakles.

[9] Zur „Laus Constantinopolitana“, dem topischen Komplement zur „Clades“, siehe Fenster, Erwin, Laudes Constantinopolitanae (Miscellanea Byzantina Monacensia 9), München 1968, bes. S. 277-279.

[10] Vgl. Ambros., de officiis ministrorum I 27, 129 und I 36, 178. Zur Legitimation des „bellum iustum“ auch: Cic., de off. I, 11,36; Aug., de civ. dei XXII 6 (= Cic., de rep. III 23,34); Corpus iuris canonici: C. 23. d.2 q.2 (Friedberg 1,894) = Augustinus, Quaestiones in Heptateuch VI 10). Zum Türkenkrieg als „bellum iustum“ Meuthen, Fall S. 26-31.

[11] Erwähnung des Moses als ersten einer Reihe von „Friedenstheoretikern“ auch bei Ambros., De officiis I 36, 179.

[12] Es folgt eine Heldenreihe, die traditionell nach alttestamentlichen, römischen und germanischen-(sprich: Deutschen-)Helden gegliedert ist, bildlich im Spätmittelalter als die Neun Guten Helden dargestellt.

[13] Die griechischen Persersiege bei Marathon 490, am Kap Artemision und bei Salamis 480 v. Chr. Gemeint sein dürfte des [Pseudo-?] Demosthenes' Epitaphios-Rede auf die Gefallenen von Chaironeia 338 v. Chr. Enea besaß vermutlich die lateinische Übersetzung des Leonardo Bruni.

[14] Nach dem sagenhaften Helden von Roncevalles aus der Karlssage.

[15] Wahrscheinlich ist Rainald von Dassel, Erzbischof von Köln (1159-1166) gemeint, kaum, da kein „Germane“, Graf Raimund von Toulouse, einer der Führer des 1. Kreuzzugs.

[16] Die Reihe der siegreichen Kaiser im typisierenden Plural verwendet Enea Silvio häufig, vgl. etwa seine Rede „Quamvis“ vom 16. Mai 1454: possem referre Magni Caroli, Gotfridi de Buiorio, Conradi tercii, Ludovici Francorum regis, Friderici primi ac secundi, Romanorum imperatorum ingentes [...] victorias; RTA Bd. 19,1 S. 268, 8-10.

[17] Vgl. 2 Tim. 2,17.

[18] Das häufig für die Ungarn gebrauchte Bild von Schutzschild und –mauer, clipeus (etwa nach 2 Reg. 1,21 und 22,26; Nah 2,3 etc.) und antemurale (nach Is. 26, 1), wird aber auch auf Konstantinopel bezogen: RTA Bd. 19,1 Nr. 9,2 S. 50 Z. 38; Nr. 11 S. 70 Z. 4 [Enea Silvio]; Nr. 13,2 S. 77 Z. 26. – Vgl. die Rede Pius' II. an eine ungarische Gesandtschaft am 23. März 1459 in Siena: Regnum Hungariae ... bellis assiduis cum gente Turcorum pro catholica religione decertans scutum fidei christianae ad orientem se praebuit: Pius II., Pii II orationes politicae et ecclesiasticae, hg von Johannes Dominicus Mansi, 3 Bde., Lucca 1755-1757-1759, Bd. 2, S. 213f. Vgl. Varga, J. János, Europa und „Die Vormauer des Christentums“. Die Entwicklungsgeschichte eines geflügelten Wortes, in: Guthmüller; Kühlmann (Hg.): Europa und die Türken, S. 55-63.

[19] 1444 bei Varna, 1448 auf dem Amselfeld.

[20] König Albrecht II. (1438/39), Habsburger.

[21] Gemeint sind vor allem die Kreuzzugsexpeditionen des Hochmittelalters.

[22] Die „Illyrer“ hier für die Balkanvölker. Die römische Provinz „Illyricum“ umfasste den nördlichen Balkan.

[23] Türkisches Fürstentum Karaman in Südostanatolien, seit der osmanischen Expansion potentieller Verbündeter des Westens.

[24] Die letzten drei Provinzen in dieser Reihenfolge auch im Völkerkatalog Act. 2,9.

[25] Das antike Iberia, eine Landschaft in Kaukasien, Zentrum des späteren Königreichs Georgien mit der Hauptstadt Tiflis.

[26] Das byzantinische Kaiserreich Trapezunt, beherrscht von der Dynastie der Komnenen, wurde erst 1461 durch Mehmed II. erobert.

[27] Enea Silvio Piccolomini, „Epistula ad Mahometem“: Pius II., Epistula ad Mahumetem. Einleitung, kritische Edition, Übersetzung, hg. von Reinhold F. Glei und Markus Köhler (Bochumer Altertumswissenschaftliches Colloquium 50), Trier 2001, Nr. 148 mit wichtiger Einleitung, S. 12-115.

 


Zugehöriger Essay:
Johannes Helmrath: Enea Silvio Piccolomini (Pius II.) - Ein Humanist als Vater des Europagedankens?
Die Druckversion des Essays findet sich in Hohls, Rüdiger; Schröder, Iris; Siegrist, Hannes (Hg.), Europa und die Europäer. Quellen und Essays zur modernen europäischen Geschichte, Stuttgart: Franz Steiner Verlag 2005.

Zitationsempfehlung:
Enea Silvio Piccolomini über Europa und die Türken. Auszüge aus Asia, De Europa, Constantinopolitana clades, Epistula ad Mahometem, 1454-1461. In: Themenportal Europäische Geschichte (2006),  URL: http://www.europa.clio-online.de/2006/Article=96.

Bitte geben Sie beim Zitieren eines Beitrags neben der Url auch immer das Datum Ihres Besuchs der Seite in Klammern an!


Sprache

(C) Clio-online / Themenportal Europäische Geschichte 2006-2016. Powered by Rainbowportal Framework