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Tamai Kisak, Vorwort zu „Die erste Monatszeitschrift eines Japaners in Europa. Ost-Asien“ (1898)[1]

Vorwort. Ost-Asien erregt seit einigen Jahren mehr als je zuvor die Aufmerksamkeit von ganz Europa. Mögen auch zwischen den einzelnen Ländern und Völkern Ost-Asiens nicht wenige und auch nicht geringe Unterschiede bestehen, so besitzen alle zusammen doch eine ähnliche gemeinsame Einheit der Kultur, wie die Staaten und Nationen Europas in ihrer Gesamtheit. Ganz Ost-Asien wird darum, wie der Titel der vorliegenden Monatsschrift besagt, zum Bereich ihres mannigfaltigen Inhalts gehören; doch soll aus ihrer allgemeinen Bestimmung ein besonderer Zweck hervortreten, nämlich die Pflege eines regeren, dichteren Handelsverkehrs zwischen Japan und Deutschland, den beiden seit den letzten Jahrzehnten am meisten aufstrebenden Reichen in Ost-Asien und Europa.

Zum ersten Mal tritt eine Monatsschrift, die von einem Japaner in Europa begründet ist, vor die Öffentlichkeit. Darum sei es dem unterzeichneten Chefredakteur und Herausgeber von „Ost-Asien“ gestattet, sich mit der folgenden Erklärung an den verehrten Leserkreis zu wenden.

Vor vier Jahren kam ich aus meinem Heimatlande über Sibirien und Russland nach Berlin, um mich hier, in der Hauptstadt des Deutschen Reiches, als Schriftsteller und Mitarbeiter der angesehensten Zeitungen im In- und Auslande zu bethätigen und vor allen Dingen die gesamten Beziehungen zwischen Deutschland und Japan namentlich in Bezug auf den gegenseitigen Handel kennen zu lernen. In dieser Zeit sind aus kaufmännischen wie gewerblichen Kreisen so viele Anfragen um Auskunft über japanische Verhältnisse an mich ergangen, dass ich allmählich auf den Gedanken kommen musste, wie nützlich, ja notwendig es wäre, eine deutsche Zeitschrift zu begründen, aus der sich diese geschäftlichen Kreise leichter über alle einschlägigen Zustände unterrichten könnten. Denn chinesische oder japanische Zeitungen richtig zu lesen, ist für den Europäer sogar nach mehrjährigen angestrengten Studium kaum möglich: und so bleiben für den deutschen Handels- oder Fabrikherren, der nicht eigene Vertretungen in Ost-Asien hat, als einzige Quellen – von der deutschen „Ost-Asiatischen Lloyd“ abgesehen – nur englische Zeitungen und Zeitschriften übrig.

Als Japaner habe ich jedoch auch vor allem in Japan selbst ansässigen Fremden den Vorzug, die genaueste, innerste Kenntnis sowohl aller Erzeugnisse und Bedürfnisse meines Vaterlandes, als auch der Fähigkeiten und Neigungen meines Volkes zu besitzen. Ausserdem bin ich durch die besten Verbindungen mit hohen und höchsten amtlichen wie geschäftlichen Kreisen Japans, die mein Unternehmen sehr begünstigen und fördern, in die Lage versetzt, den Abonnenten und Inserenten meiner hiermit erscheinenden Monatsschrift „Ost-Asien“ im Verkehr mit dieser Weltgegend und zumal mit meinem Heimatlande Japan in ganz vorzüglicher Weise mit Rat und That zur Seite zu stehen.

Wie für den geschäftlichen Teil, so sind auch für Politik, Wissenschaft, Kunst und die übrigen Zweige des öffentlichen Lebens bereits nicht wenige tüchtige und angesehene Mitarbeiter gewonnen worden, deren Anzahl noch stetig zu vermehren mein ernstliches Bestreben bleiben wird.

So möge denn „Ost-Asien“ zu glücklicher Fahrt vom Stapel laufen und zwischen Europa und Ostasien im allgemeinen und Deutschland und Japan im besonderen einen regen Tauschverkehr von sachlichen und geistigen Gütern vermitteln helfen!


[1] Tamai Kisak, Vorwort, in: Die erste Monatszeitschrift eines Japaners in Europa. Ost-Asien. No. 1, April 1898, I. Jahrgang.



Zitationsempfehlung:
Tamai Kisak: Vorwort zu „Die erste Monatszeitschrift eines Japaners in Europa. Ost-Asien“ (1898). In: Themenportal Europäische Geschichte (2010),  URL: http://www.europa.clio-online.de/2010/Article=428.

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