|  | 
Logo TP Europische Geschichte
Logo Clio-online
Quellen
  [pdf-Version]

Aufruf des ersten Nachkriegs-Slavenkongresses an die slavischen und alle freiheitsliebenden Völker der Welt (Belgrad, Jugoslawien, 11. Dezember 1946)[1]

Brüder und Schwestern! Freiheitsliebende Völker der Welt!

Es sind anderthalb Jahre vergangen, seitdem die Sowjetarmee gemeinsam mit den Armeen der slavischen und aller freiheitsliebenden Völker der Welt die Zerschlagung Hitler-Deutschlands vollbracht hat. Mit Hilfe des großen russischen Volkes haben die slavischen Völker den Sieg über ihren Erzfeind errungen.

Im Kampf gegen die deutschen Eindringlinge und ihre Helfershelfer haben die slavischen Völker der Welt erneut ihre große Kraft und unverbrüchliche Kampfeseinheit demonstriert. Sie haben die freiheitsliebenden Völker der Welt vor Vernichtung und Versklavung gerettet. Im tödlichen Gefecht mit dem feigen und mächtigen Feind haben die slavischen Völker vorbildliche Standfestigkeit und Mut sowie unerschütterlichen Glauben in ihre gerechte Sache bewiesen.

Beendet sind die Tage der schweren Prüfungen, die den slavischen und allen freiheitsliebenden Völkern zu Teil wurden. Begeistert von fortschrittlichen Ideen und getreu ihren ruhmreichen Traditionen erweisen sich die slavischen Völker als mächtiges Bollwerk von Frieden und Fortschritt sowie als verlässliche Stütze im Kampf gegen die Überreste des Faschismus und seiner Ideologie.

Die Treue gegenüber den Prinzipien der wahren Volksdemokratie, die glühende Liebe zur Heimat, das Verständnis untereinander und die gegenseitige Achtung – all diese den slavischen Völkern eigenen Charakterzüge haben jetzt neuen, noch nie dagewesenen Raum für ihre Entfaltung und ihr Aufblühen erhalten.

Im Leben der Völker Jugoslawiens, Polens, der Tschechoslowakei und Bulgariens haben tiefgreifende Veränderungen stattgefunden. Sie sind als freie, gleichberechtigte Herren ihres Schicksals in die Nachkriegswelt getreten, haben entschlossen den Weg friedlichen Gedeihens betreten, den Weg der Entwicklung von Demokratie und Fortschritt, und nichts kann sie auf diesem ruhmreichen Weg mehr aufhalten.

Heute entscheiden die slavischen Völker höchst komplizierte Nachkriegsprobleme.

Die Völker der Sowjetunion heilen erfolgreich die Wunden, welche der Krieg ihnen beigebracht hat; sie kämpfen für einen neuen, starken Aufschwung von Volkswirtschaft und Sowjetkultur und stellen somit ein Beispiel unverbrüchlicher moralisch-politischer Geschlossenheit des gesamten Volkes dar. Die Sowjetunion steht an der Spitze des Kampfes für die Sache des Friedens und der Sicherheit aller freiheitsliebenden Völker.

Die slavischen Völker Zentral- und Südosteuropas haben in den anderthalb Jahren ihres Nachkriegsaufbaus gewaltige Erfolge erzielt. Die Völker Jugoslawiens, Polens, der Tschechoslowakei und Bulgariens haben volksdemokratische Regime errichtet und schreiten überzeugt auf dem Weg der weiteren demokratischen Entwicklung voran.

In allen slavischen Ländern sind die Wurzeln der Reaktion ausgerottet: Der Großgrundbesitz in der Landwirtschaft und die Herrschaft der großen kapitalistischen Monopole sind liquidiert. Für immer sind die Ketten der Abhängigkeit von ausländischem Kapital gesprengt.

Die zentralen volkswirtschaftlichen Werte sind ins Eigentum des Staates übergeben. In allen slavischen Ländern liegt die Macht beim Volk selbst.

Bereits jetzt sind die jungen slavischen Republiken bezüglich ihrer politischen Struktur und der Errungenschaften einer fortschrittlichen Weltkultur der Menschheit weit vorangeschritten. Dies wiederum eröffnet breite Möglichkeiten zu ihrer weiteren Entwicklung und Prosperität.

Diese Möglichkeiten liegen vor allem in der Natur der Volksdemokratie, in jenen gewaltigen Kräften, welche die Brüderlichkeit und kameradschaftliche Solidarität der slavischen Völker birgt.

In den Kriegsjahren durch die große Idee der Zerschlagung des Faschismus geeinigt, vereinigen die slavischen Völker heute die Ideen des Kampfes für Frieden und Sicherheit, die Ideen des Kampfes mit den Überresten des Faschismus. Die Freundschaft der slavischen Völker, ihre gegenseitige Achtung und ihre Zusammenarbeit sind verlässliche Garantien für Frieden und Sicherheit auf der ganzen Welt.

Eben deshalb erklärt der Slavenkongress im Namen aller freiheitsliebenden Völker Folgendes:

Alle, die den Frieden wünschen, die für die Prosperität der Völker sind, sollen und werden die Freundschaft der slavischen Völker weltweit unterstützen.

Unzählig sind gewaltigen Verluste, welche den slavischen Völkern von den faschistischen Eindringlingen beigebracht wurden. Gewaltig sind die Opfer, die von ihnen bei der Zerschlagung des Faschismus erbracht wurden. Es erfordert große Anstrengungen, um die tiefen, noch blutenden Wunden des Krieges zu heilen.

Wer kann unter solchen Umständen einen neuen Krieg wünschen? Wer braucht einen solchen?

Einen neuen Krieg brauchen lediglich die imperialistischen Aggressoren. Nur diejenigen brauchen ihn, die wie zuvor mit dem Schicksal der slavischen Völker spielen wollen und daran interessiert sind, dass der Balkan erneut zum „Pulverfass“ Europas wird.

Es ist die Pflicht aller ehrlichen Menschen, die Ränke der Kriegstreiber zu enthüllen, ihre kriminellen Machenschaften zu hintertreiben und die neuen Fackelträger des Krieges unschädlich zu machen.

Der Slavenkongress ruft alle Slaven und freiheitsliebenden Völker der Welt zum Kampf um den Frieden, zum täglichen, beharrlichen Kampf auf.

Brüder und Schwestern Slaven, freiheitliebende Völker der Welt, nehmt die Sache des Friedens in eure Hände!

Derzeit steht die Aufgabe der Ausrottung der Überreste des Faschismus und der Schaffung eines dauerhaften Friedens auf der ganzen Welt vor der Menschheit. Das eine ist ohne das anderen unmöglich. Solange irgendwo noch Überbleibsel des Faschismus nisten, kann es keinen dauerhaften Frieden geben. Daher kann ein echter Demokrat in diesem Kampf nicht abseits stehen. Er ist verpflichtet, die Entschlossenheit, mit der die slavischen Völker gegen die Überreste des Faschismus und der faschistischen Ideologie kämpfen, zu unterstützen und diese heilige Aufgabe ebenso entschlossen und aktiv in seinem eigenen Land zu erfüllen.

Wir werden uns gegenseitig auf politischem, ökonomischem und kulturellem Gebiet unterstützen und danach streben, dass kein einziges, auch nicht das kleinste slavische Volk untergeht, und dass jedes seine nationale Existenz und seine Nationalkultur erhalten, desgleichen seine nationale Entwicklung sichern kann .

Gleichzeitig sind den slavischen Völkern Absichten jedweder Art zur Verletzung der Rechte anderer Völker fremd. Die slavischen Völker kennen und schätzen gebührend die Freiheit und Unabhängigkeit ihrer eigenen Länder, und entsprechend schätzen und achten sie die Freiheit und Unabhängigkeit anderer Völker.

Freiheitsliebende Völker der Welt! Kämpft gegen die Versuche der nationalen Versklavung de Völker seitens der imperialistischen Aggressoren! Tretet für die Verteidigung der Prinzipien der antifaschistischen Koalition, für die Entscheidungen der Konferenzen von Jalta und Potsdam, der Konferenzen der Oberhäupter der drei großen Staaten ein.

Liebe Brüder und Schwestern Slaven! Haltet unerschütterlich Wacht über den Frieden und die Sicherheit aller Völker! Kämpft für den Frieden, für die Festigung der Freundschaft mit allen demokratischen und freiheitsliebenden Völkern der Welt! Festigt die hehre Zusammenarbeit der slavischen Völker, die Grundlage von Frieden und Sicherheit! Stürzt euch mutig in den Kampf um die völlige Ausrottung der Überreste des Faschismus und um die Liquidierung der Agenturen der reaktionären Cliquen!

Schreitet beherzt auf dem Weg der Demokratisierung eurer Staaten, auf dem Weg der weiteren Festigung und Entwicklung des wirtschaftlichen und kulturellen Lebens voran. Stärkt die Bande ewiger Freundschaft mit eurem Befreier und dem Verteidiger der slavischen Völker – der großen Sowjetunion.

Es lebe die unauflösliche Einheit und Brüderlichkeit aller slavischen Völker! Es leben die neuen demokratischen slavischen Staaten: die Föderative Volksrepublik Jugoslawien, das neue, demokratische Polen, die demokratische Tschechoslowakei und die Volksrepublik Bulgarien, die den Völkern der Welt als Beispiel für demokratische Umgestaltungen dienen.

Es lebe die große Sowjetunion, das Bollwerk des Friedens und der Sicherheit der slavischen und aller freiheitsliebenden Völker!

Es lebe der beste Freund der slavischen Völker – der Generalissimus der Sowjetunion Iosif Vissarionovič Stalin!


[1] Obraščenie pervogo poslevoenogo Slavjanskogo kongressa k slavjanskim i vsem svobodnoljubivym narodam mira [Aufruf des ersten Nachkriegs-Slavenkongresses an die slavischen und alle freiheitsliebenden Völker der Welt], in: Slavjanskoe dvizenie XIX–XX vekov. S“ezdy, kongressy, soveščanija, manifesty, obraščenija, herausgegeben von Marina Ju. Dostal‘, Moskau 1998, S. 260–264 (Erstveröffentlichung in „Slavjane“ [Moskau] 6 (1947), H. 1, S. 22–23) (Übersetzung Stefan Troebst).



Zitationsempfehlung:
Aufruf des ersten Nachkriegs-Slavenkongresses an die slavischen und alle freiheitsliebenden Völker der Welt (11. Dezember 1946). In: Themenportal Europäische Geschichte (2014),  URL: http://www.europa.clio-online.de/2014/Article=696.

Bitte geben Sie beim Zitieren eines Beitrags neben der Url auch immer das Datum Ihres Besuchs der Seite in Klammern an!


Sprache

(C) Clio-online / Themenportal Europäische Geschichte 2006-2016. Powered by Rainbowportal Framework