Essays/

(01.02.2023)
Von Helge Wendt
Ein „Kohlebaum“ ist eine schematische Darstellung von chemischen Verbindungen und Stoffen, die aus Kohle gewonnen werden konnten und in der Chemieindustrie Verwendung fanden. Diese Art von Darstellungen kam in den 1920er-Jahren dort in Mode, wo die Industrie der Nebenprodukte der Kohle einen wichtigen Wirtschaftszweig darstellte. Verschiedene Darstellung von „Kohlebäumen“ sind als Quelle übermittelt. Mithilfe dieser Bildquelle möchte der Beitrag einen Einstieg in eine Industrie, Wissenschaft und Alltag erheblich mitgestaltentende Gruppe von Stoffen bieten. Solche Baumdiagramme, die die verzweigte Baumkrone von Stoffen der Kohle, von Benzol, von Erdöl oder von Sodium zeigten, waren als Überblick für ein breites Publikum und für Expert:innen gedacht. Die im Baumdiagramm dargestellten Kohleprodukte wurden in Deutschland, Frankreich und den USA zu alltäglichen Gegenständen, so dass Kohlebäume auch als Werbung eingesetzt wurden. Sie stellten ein Wissen eines Industrieunternehmens dar, das in einigen Fällen national überhöht wurde, und bildeten Gleichzeitig ein Instrument von Wissensverbreitung und -erklärung. Heute ist diese Form der Darstellung eine Sonde in eine Geschichte von Stoffen, Industrieentwicklung und Politik. [weiterlesen...]
 
(26.01.2023)
Von Iris Schröder
Mit seiner „Tentative d’épuisement d’un lieu parisien“, dem „Versuch, einen Platz in Paris zu erfassen“, verfolgte der französische Autor Georges Perec in den frühen 1970er Jahren ein ungewöhnliches Vorhaben: Drei Tage verbrachte er im Oktober 1974 an der Pariser Place Saint-Sulpice, wo er alles minutiös notierte, was um ihn herum geschah: Die Bushaltestelle, der Bus, der kam und wieder abfuhr, waren für ihn ebenso bemerkenswert, wie die einzelnen Passant:innen, Tourist:innen, die Besucher:innen der Cafés und der Kirche sowie nicht zuletzt die vielen kleinen Begebenheiten, die Monotonie des Alltags ebenso wie die Abwechslung, das Kommen und Gehen, wie das sich im Tagesverlauf verändernde Licht und die vorüberziehenden Wolken. Perec veröffentlichte seine kurze experimentelle Erzählung in Listenform später auf gut 50 Seiten. [weiterlesen...]

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Europäische Geschichte in Quellen und Essays

Die Reihe Europäische Geschichte in Quellen und Essays behandelt die Geschichte Europas und der Europäer vom 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart anhand origineller Text- und Bilddokumente, die mithilfe eines begleitenden Forschungsessays in die historischen Zusammenhänge eingeordnet werden. Historiker und historisch arbeitende Sozial- und Kulturwissenschaftler zeigen, warum und in welcher Hinsicht die von ihnen untersuchten Ereignisse, Strukturen, Prozesse, Vorstellungen und Ausdrucksformen für den Verlauf der Geschichte Europas, das historische Bewusstsein der Europäer und die gegenwärtigen Herausforderungen bedeutsam sind. ISSN 2194-5373 [Mehr..]

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